Die erste Reise nach Finnland

Via Prag ging es am 11. April 2003 nach Helsinki, und von dort per Expressbus weiter nach Turku, im Südwesten Finnlands. Die Landschaft die sich mir auf dieser Fahrt schon zeigte, war eine ganz eigentümliche Mischung aus Kiefern, Fichten und Birken, immer wieder schauten Granitfelsen aus dem geringmächtigen Boden heraus, und wie weit man auch schaute, die Landschaft breitete sich in sanften Wellen bis zum Horizont aus. Im grauen Abenddämmerlicht erreichte ich schließlich Turku.

Schon am Samstag fuhren wir, das waren 9 Studenten aus Polen, Tschechien und Deutschland, in einen Nationalpark, etwa 50 km nördlich von Turku, um dort eine kleine Rundwanderung durch das Moor zu machen. Das Wetter war grau und nieselig, und die Wege waren teilweise noch vereist von dem erst kürzlich noch mal zurückgekehrten Winter. Aber die Melancholie, die diese Landschaft in solch einem Licht ausstrahlt, war einzigartig. Man konnte sich einfach hinhocken, und war für sich allein in mitten der Wildnis, ohne die Geräusche allgegenwärtiger Zivilisation.

Am Sonntag fuhr ich mit dem Sinfonieorchester der Abo-Akademie, das ist die schwedischsprachige Uni in Turku, zu einem Konzert nach Huittinen, knapp nördlich des 61. Breitengrades. Auch an diesem Tag war das Wetter kühl, nieselig und grau, aber auf der Fahrt sah ich wieder viel von der finnischen Landschaft, und erfuhr viel über Land und Leute und über die finnische Geschichte. Das Konzert selber setzte dem dann noch die Krone auf, mit Dvoraks 9. Sinfonie "Aus der neuen Welt" und einer Zugabe von Sibelius. Ich war einfach nur glücklich, diese spontane Reise angetreten zu haben.

Die folgenden Tage vergingen wie im Fluge, mit Besichtigungen von Turku, dem Hafen, Spaziergängen in der Umgebung und Besuchen der am Strand gelegenen Sauna. Es ist schon seltsam, dass mein erster Saunabesuch ausgerechnet in einer echten, finnischen Sauna mit Abkühlen in einem Eisloch in der zugefrorenen Ostsee stattfand. Es war genial, ich hatte wirklich nicht erwartet das 0°C kaltes Wasser so angenehm sein könnte!

Dann kam Ostern heran, und zusammen mit Freunden wurden Vorbereitungen für ein großes Osterfest mit Studenten aus allen möglichen Ländern getroffen. Es galt Eier zu färben, Kuchen zu backen, Salate usw. vorzubereiten. Aber es blieb doch noch genug Zeit, um am Karfreitag einer schwedische Andacht in der Kapelle des Doms in Turku beizuwohnen. Natürlich war das für meine Ohren sehr ungewohnt, aber es war schön und hat die richtige Stimmung für diese Zeit geschaffen. Aber es sollte noch besser kommen. In der Nacht auf den Ostersonntag waren wir in einem finnischen Ostergottesdienst, wieder im Dom von Turku. Verstanden habe ich dabei noch weniger als am Freitag, aber die Stimmung war einmalig. Ich glaube, so deutlich habe ich Ostern nur selten wahrgenommen. Um halb 1 in der Nacht war der Gottesdienst zu Ende, und mit dem Fahrrad fuhren wir durch die sternenklare Osternacht heimwärts. Da hat eigentlich nur noch ein Polarlicht gefehlt, und ich wär auf der Stelle in Finnland geblieben!
Ostern selbst wurde ein fröhliches Fest, das wir bei strahlendem Sonnenschein den ganzen Tag draußen feierten. Jeder brachte landestypische Osterspeisen mit, und da wir etwa 20 Studenten waren, kam da eine große Vielfalt zusammen. Es wurde ein rundum gelungener Tag und eines der schönsten Osterfeste die ich bisher erleben durfte.

Am Ostermontag machten wir einen Ausflug auf die Schären, also die dem Festland vorgelagerten Inseln. Die ersten großen Inseln sind noch bequem mit dem Bus über Brücken zu erreichen. Weiter draußen sind dann kleine Fährüberfahrten dabei, aber so weit sind wir gar nicht gefahren. In der Nähe von Parainen / Pargas durchstreiften wir ein Wäldchen mit einem naturkundlichen Lehrpfad, der viel interessantes über Flora und Faune vermittelte. An geschützten Stellen, die genug Sonne bekamen, fing gerade alles zu blühen an - ein schönes Gefühl, das Frühlingserwachen gerade unmittelbar miterleben zu können.

Dann war auch schon der Dienstag da, und mit ihm der Zeitpunkt der Rückreise. In aller Frühe fuhr ich mit dem Expressbus zurück nach Helsinki, um mein Flugzeug am Mittag auch sicher zu erreichen. Zeitdruck hätte ich aber wirklich nicht gehabt, denn der Flug hatte 3 Stunden Verspätung, so dass ich wohl jedes Geschäft am Flughafen ausgiebig erkunden konnte. Und natürlich war auch der Anschlussflug in Prag längst weg, als ich dort endlich landete. Aber eines muss man den Tschechen lassen: so schnell wie die mich in einem anderen Flug nach Frankfurt hatten (Umsteigezeit: ca. 10 Minuten) war das rekordverdächtig. Und auch mein Gepäck hatten sie in dieser kurzen Zeit in den richtigen Flieger gebracht. Etwas traurig aus Finnland fort zu sein landete ich schließlich am Dienstag Abend in Frankfurt.
Eigentlich war zu jedem Zeitpunkt der Reise klar, dass dies nicht mein letzter Aufenthalt in Finnland war. Wann und wie es eine Fortsetzung geben wird, ist noch offen. Aber ich bin zuversichtlich hier schreiben zu können: Fortsetzung folgt.



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