Reise nach Südafrika und Namibia im Frühwinter 2003

Samstag, 15.11.2003
Anreise

Push-back um 21:04 Uhr MEZ, Start um 21:25 MEZ. Die nächtliche Zivilisation sieht strahlend und funkelnd aus. Zu schön um sie ernst zu nehmen! Die Maschine ist ein Airbus A340-600, also eine recht große, 4-strahlige Maschine. Die Beschleunigung beim Start war absolut enttäuschend - im Vergleich zum Windenstart eines Segelflugzeugs! Immerhin haben wir es dennoch gegen Ende der Startbahn geschafft sanft zu entschweben. 21:45 MEZ, wir fliegen über Zürich hinweg. Hoffentlich haben die Schweizer mal ihr Radar an und sind auch am Arbeitsplatz. Leichte Turbulenzen künden von den im Dunkeln liegenden Alpen. 23:00 MEZ. Das Abendessen war lecker und der Abendkaffee entfaltet langsam seine Wirkung. Ich lasse den Tag mit einem Film ausklingen, irgendwo zwischen Europa und Afrika. Die Nacht gleitet sanft dahin, so wie wir, 10000 m über der Erde.

Sonntag, 16.11.2003

3:30 MEZ. Mein erstes tropisches Gewitter, knapp nördlich von Kisangani. Flughöhe zur Zeit 11277 m, dabei liegt die Außentemperatur nur bei -49 °C, recht warm für diese Höhe. Und wir fliegen durch Wolken! Zuvor waren beeidruckende Wolkentürme sichtbar wenn es blitzte. 6:45 OEZ. So langsam wird es Zeit fürs Frühstück! Ich kann zwar nicht behaupten besonders gut oder lange geschlafen zu haben, aber irgendwie bin ich im Augenblick trotzdem munter. Wir fliegen auf Lusaka zu, draußen ist ein schöner Sonntag. 8:45 OEZ. Eine sanfte Landung in Johannesburg, leider eine halbe Stunde zu spät. Nach der Passkontrolle stehen ich am Gepäckband und warte, warte, warte. Die Zeit verrinnt, um 10 Uhr geht der nächste Flieger. Nachdem der Koffer endlich da ist, vergeht noch einmal quälend viel Zeit, bis ich auch meinen Rucksack erhalte. Dann durch den Zoll. Zum Glück pickt mich gleich ein Gepäckträger auf, der wohl instinktiv erkannt hat, dass ich ins Domestic Terminal musste. Für 20 Rand sind wir dann auf den Punkt schnell genug. Grinsend macht ein Mitglied der Crew Anstalten mir die Flugzeugtür vor der Nase zu zu machen. Ich muss ein interessantes Gesicht aufgesetzt haben, denn es gibt kollektives Gelächter. Die 737-800 beschleunigt doch deutlich besser als der große Airbus. Vom Steigflug bekomme ich nichts mehr mit, mich übermann der Schlaf. Als allerdings plötzlich ein Duft von Kaffee durchs Flugzeug zieht, führt das bei mir zu einer temporären Munterkeit. Nach dem zweiten Frühstück will die Müdigkeit nicht mehr zurückkommen. Noch 1 Stunde bis Cape Town, aber glauben kann ich es noch immer nicht. Schon gar nicht, dass ich bereits 12 Stunden geflogen bin und gerade am anderen Ende der Welt umherdüse, quasi auf der anderen Hälfte. Wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich die Landschaft unter mir vorübergleiten. Aber dass dies wirklich Afrika ist… Der leuchtend rote Erdboden, der am Flughafen zu sehen war, lässt zwar vermuten, dass ich nicht mehr in Europa bin - aber Südafrika? Es wird sicher noch ein ganzes Weilchen dauern, bis sich die Erkenntnis wirklich durchsetzt. Nach 10 Monaten des Wartens werde ich nun bald in Kapstadt südafrikanischen Boden betreten. Es ist schon erstaunlich, wie schnell 2 Stunden Flug vergehen, wenn man zuvor bereits mehr als 10 Stunden geflogen ist! 12:04 OEZ. Finally landed in Cape Town! Great! Diesmal ging alles ganz schnell mit dem Gepäck. Klar, lag ja wahrscheinlich auch ganz oben auf. Dafür dann gleich eine herbe Enttäuschung: niemand wartet auf mich. Wofür bin ich in Johannesburg eigentlich so gerannt? Nun sitze ich hier bereits eine halbe Stunde. Auch der letzte Mitflieger hat das Terminal bereits verlassen. Ich frage mich, ob ich nun doch ein Taxi in die Stadt nehmen sollte. Die Reise fängt ja gut an. Nun, Johannesburg liegt zwar durchaus in Südafrika, aber man kann ja trotzdem am internationalen Terminal warten! Fast in letzter Sekunde kommt mir der Gedanke, und eine kurze Rückfrage an der Auskunft ergibt zu meiner Freude, dass ich tatsächlich erwartet wurde, schon die ganze Zeit - nur leider woanders. Aber nach anderthalb Stunden haben wir uns dann schließlich doch gefunden und in die Arme geschlossen. Während Sibylle anschließend das Parkticket bezahlt, sucht Cathryn, ihre Mitbewohnerin, mit zunehmender Verzweiflung ihr Auto. Doch auch dieses wird schließlich aufgefunden, und so treffe ich kurz vor halb drei in der Queen Road, Rondebosch, Cape Town, ein. Bald folgt ein erster Spaziergang zu Marcels, wo es ein geniales Eis gibt, und dann weiter zur Uni (UCT), die malerisch am Fuße des Devils Peak liegt. Im Umfeld der Uni schieße ich meine ersten 14 Afrikafotos. Die ersten beiden Bilder zeigen Blüte und Knospe eines mir unbekannten Baumes. In den weiteren Fotos sind Aufnahmen eines Silberbaumes (Leukodendron) dabei.

Montag, 17.11.2003
Ausflug ins Zentrum von Kapstadt

Ich habe wunderbar geschlafen. Der Amarula sowie das Caipirinha-Derivat (Zitronen statt Limetten) gestern Abend haben dies wohl gut unterstützt. Mit dem Minibus-Taxi geht es in halsbrecherischem Tempo ins Zentrum von Kapstadt. Erstaunlicher Weise kostet die Fahrt nur R 3,50. Ein ausgiebiger Spaziergang führt uns zur Waterfront, einem Komplex aus Cafés, Läden und Restaurants. Auffallend ist der geringe Anteil an dunkelhäutigen Menschen in diesem Areal. Auf einer freien Fläche stoßen wir auf eine Ausstellung über Recycling und sinnvolle Weiterverwendung, beispielsweise von alten Autoreifen, die gut zur Begrenzung von Gemüsebeeten in den Townships benutzt werden können. Ein äußerst netter, junger Kerl aus Simbabwe zeigt uns seine Arbeiten. Es sind kleine Körbe, Schirmmützen und Spielflugzeuge aus zerschnittenen Getränkedosen. Eine geniale Idee das Zeug einzusammeln und so zu "veredeln". Ein weiteres Highlight ist eine Steeldrum-Band, die einige sehr bekannte Stücke zum Besten geben. Der bei einem Besuch der Innenstadt beinahe obligatorische Besuch der Longstreet Road rundet den Ausflug ab. Zurück geht es wieder im Minibus-Taxi, welches wieder ein gemischtes Gefühl hinterlässt. Am Abend treffen wir uns mit Thomas Backman, der uns nach Namibia begleiten wird, und dessen Vater uns dankenswerter Weise seinen Mazda als fahrbaren Untersatz zur Verfügung stellt.

Dienstag, 18.11.2003
Ausflug zu den Pinguinen und zum Kap

Relativ zeitig brechen wir am Morgen zum Kap der Guten Hoffnung, bzw. Cape Point auf. Auf dem Weg dorthin halten wir in Boulders an, um die Pinguin Kolonie anzusehen. Glücklicher Weise verpassen wir den ersten Abzweig zum Strand und nehmen den nächsten. So gelangen wir zwar nicht auf den Weg, der an der Hauptkolonie entlang führt, sondern kommen an den Badestrand, ohne Eintritt etc. Dort, auf einem Felsen, stehen ca. 10 Pinguine herum. Wir setzen uns in vielleicht 2 m Entfernung auf den gleichen Felsen und sehen den Vögeln zu. Am Ende wagt sich eine von ihnen sogar bis auf 1 m an Cathryn heran. Eine schlechte Idee wäre es jedoch sie streicheln zu wollen. Ihre Schnäbel sind kräftig, und sie wissen sie zu gebrauchen. Wir probieren es gar nicht erst. Zurück im Auto lege ich den 2. Film ein, dann geht es durch wunderschöne Landschaften weiter zum Kap. Der Eintritt in das Gebiet kostet R 35, leider auch für Studenten. Zunächst geht es zum Leuchtturm auf Cape Point. Fast jeder 2. hier spricht Deutsch; brrrrr. Und kaum jemand scheint zu merken, dass dies nicht das Kap der Guten Hoffnung ist, und selbst wenn es das wäre noch längst nicht der südlichste Punkt Afrikas. Das nämlich wäre das Kap Agulhas. Neben der vielfältigsten Vegetation die man sich vorstellen kann, ist das Kap auch von vielen Tieren besiedelt. Sehr häufig sind Eidechsen anzutreffen, ab und zu huscht eine Maus vorbei, und die steilen Kliffbereiche werden von großen, schwarzen Vögeln bewohnt. Auf dem anschließenden Weg zum Kap der Guten Hoffnung kommen wir an einigen Straußen vorbei, die sich offensichtlich durch die Anwesenheit der Menschen nicht wirklich beeindrucken lassen. Zurück im Auto bei Cathryn, die uns nicht mehr zum Kap begleiten wollte, sehen wir einen Touristen verzweifelt versuchen, durch Gasgeben, Bremsen und Hinundherlenken einen Baboon, ein Affenart im südlichen Afrika, von seinem Autodach herunterzukriegen. Als wir noch weiter Affen neben uns am Straßenrand im Busch auftauchen sehen, machen wir, das wir fortkommen. Wieder in Rondebosch, sind wir zwar alle sehr erledigt, aber ein Kaffee hilft, und ein Schokoeis befördert uns endgültig über den Tiefpunkt hinweg. Nach einer Stunde Schlaf gibt es noch einen kleinen Spaziergang um den Rondebosch Commons. Hier findet sich eines der letzten Gebiete in dem der Lowland Fynbos vorkommt. Danach gibt es Fernsehen, Essen, Caipirinha (mit Zitrone) und wieder langes Quatschen vor dem Einschlafen.

Mittwoch, 19.11.2003
Wanderung auf den Tafelberg

Wir stehen bereits um 7 Uhr auf, um kurz nach 8 Uhr geht es los zum botanischen Garten in Kirstenbosch. Von dort aus klettern wir durch die Skeletton Gorge zu einem der Dams, die für die Trinkwasserversorgung der Stadt von zentraler Bedeutung sind. Nach kurzer Verschnauf- und Fotopause (Filmwechsel) wandern wir weiter zum McLears beacon auf der Hochfläche des Table Mountain, wo wir endlich unsere wohlverdiente Mittagsrast machen. Ich habe etwas mit Kopfschmerzen zu kämpfen, die sich allerdings nach der Pause etwas bessern. Weiter geht es über die Tafelfläche bis zur Bergstation des Cable Car, der Seilbahn zwischen dem Berg und der Stadt. Wir haben einen schönen Blick auf Kapstadt und auf das Meer im Westen. Insgesamt hat der Hinweg etwa 5 Stunden gedauert. Zurück laufen wir den gleichen Weg. Die Abstiegsmöglichkeiten von der Hochfläche sind nur sehr begrenzt, und einen anderen Weg würden wir nicht mehr bei Tageslicht schaffen. Nach knapp 3 Stunden erreichen wir wieder den botanischen Garten. Hier gönnen wir uns erstmal ein leckeres Magnum-Eis. Dann geht's heim. Zum Abendessen gibt es Pizza. Lange schaffen wir es heute nicht wach zu bleiben, die Tour hat doch sehr an den Kräften gezehrt.

Donnerstag, 20.11.2003

Der Tag beginnt mit einem wundervollen Pancake-Frühstück. Anschließend geht's per Zug nach Muizenberg an den Strand, wo wir erst mal eine Runde Pott Pott (Minigolf) spielen. Hernach sitzen wir faul am Strand, schauen den Surfern beim Wellenreiten zu und genießen das Rauschen des Meeres. Sibylle zieht es ins Wasser, sie ist mittlerweile begeisterte Surferin. Cathryn und ich fahren nach Rondebosch zurück und gönnen uns was zum Mittagessen. Nachdem alle Sachen für die große Reise gepackt sind und wir auch noch sieben 5 l Kanister Wasser eingepackt haben, fährt uns Cathryn, die gute Seele, zum Haus von Thomas' Eltern. In einiger Hektik kaufen wir dort in der Nähe die notwendigen Lebensmittel für die nächsten Tage ein. Vor Keetmanshoop werden wir wohl keine gute Einkaufsmöglichkeit mehr haben. Dann darf ich das Auto zurück fahren. Ich fühle mich wie ein blutiger Anfänger. Aber es klappt ohne schlimme Hupkonzerte oder größere Ungemach. Thomas' Schwester Thea hat uns derweil ein äußerst leckeres Abschiedsessen bereitet, das ich sehr genieße. Im Laufe des Abends werden die Vorbereitungen nahezu abgeschlossen und Sandwiches geschmiert. Jetzt wartet das Auto auf's Beladen.

Freitag, 21.12.2003
Die große Reise beginnt

Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker, und so langsam macht sich die Erkenntnis breit, dass es nun bald in Richtung Namibia los geht. Die geplante Abfahrtszeit von 5:30 Uhr können wir allerdings nicht einhalten, da auch eine halbe Stunde nach dem Wecken von Thomas noch immer nichts zu sehen ist, das Auto nicht beladen ist, und wir natürlich vor der Abfahrt auch noch was frühstücken müssen. Um 6:10 gelingt es uns schließlich zum Gate hinaus zu rollen. Das Abenteuer beginnt. [km bei Piketberg: 61146] Im Bereich der Cederberg Mountains machen wir unseren ersten Tankstop. [km 61190, 29.32 l, R 113.71]. Auf dem Rückweg werden wir wohl hier in der Gegend einen letzten Stop einlegen und etwas wandern. Einige Zeit, die eigentlich dazu bestimmt war vorwärts zu kommen, verbringen wir in Clanwilliam mit der Suche nach Kerosin für den Campingkocher von Thomas. Aus unerfindlichen Gründen war es ihm nicht möglich, solche Besorgungen bereits in den Wochen vorher zu machen. Leider stellt sich mit der Zeit Kerosin als nirgends erhältlich heraus. Ab hier über nehme ich für die nächste Etappe bis Calvinia das Steuer. Auf dem Weg, etwa 20 km nach der Abzweigung von der N?, kommen gewaltige Höhenzüge in Sicht, deren Hochflächen von einer Basaltdecke gebildet werden. Von dieser grandiosen Landschaft mache ich sowohl aus der Ebene Fotos, als auch im Blick zurück und hinunter, nachdem wir diese Stufe mit dem Auto erklommen haben. Die sich nun anschließende Landschaft genügt der Bezeichnung Basalt, Basalt, Basalt. Allerdings kommen im Bereich des Anstiegs auch glänzende Schiefer vor. Einige Stunden später erreichen wir während eines Gewitters Calvinia. Wir füttern unser Auto, [km 61439, 23.92 l, R 95.00] und zu recht vorgerückter Stunde machen wir hier unsere Mittagsrast unter einem kleinen Dach. Der Regen kühl die Luft auf recht angenehme Temperaturen herunter, und wenn ich nicht wüsste, dass noch eine äußerst lange Strecke vor uns liegt, könnte ich mich sogar richtig entspannen. Danach geht es geradewegs Richtung Norden. Und geradewegs ist wörtlich zu verstehen. Die Straße macht kaum einen Schlenker, und fährt man über eine sanfte Welle im Boden, so sieht man die Straße am fernen Horizont noch immer genau in der Flucht liegen. Eigentlich könnte man auch das Lenkrad einfach festbinden und sich schlafen legen. Abwechslung in dieser Flächenlandschaft (aus Basalt?) bieten nur die Nester der Webervögel, die scheinbar einen elektrischen Anschluss in ihrem Heim bevorzugen. Immer wieder sind die Leitungsmasten entlang der Straße mit kunstvollen und zum Teil recht großen Nestern verziert. Am späten Nachmittag erreichen wir den Oranje. Schlagartig wird die Landschaft grün und auch Bäume geben dem Auge wieder einen Halt in der Weite. Schließlich erreichen wir Keimos, wo wir ein letzte Mal auftanken, [km 61801, 36.22 l, R 143.81] und zu unserer Überraschung erfahren, dass es hier im Hochland kein 97er verbleites Benzin gibt, sondern überall nur 93er. Allein, wir müssen tanken, und so glauben wir die Erklärung mit der Höhe über dem Meer mal. Gegen 19 Uhr erreichen wir schließlich unsere Unterkunft, das Kalahari Adventure Centre. Es ist eine schön angelegte Ecke mit Campingplätzen, Übernachtungsmöglichkeiten, Gemeinschaftsräumen und, nach 13 Stunden Fahrt besonders wichtig: einer Dusche. Nach einer äußerst freundlichen Begrüßung durch die hiesigen Menschen und Hunde, insbesondere eins kleinen, quirligen Welpen, bereiten wir uns ein großes Abendessen: Pasta mit Tomatensauce.

Samstag, 22.11.2003
Die Augrabies Waterfalls

Heute stehen die Augrabies Falls auf dem Programm. Nach einem kurzen Frühstück fahren wir die 10 km bis zum Eingang des Nationalparks. Durch etwas Glück kostet uns der Eintritt nur R 15 statt der üblichen R 60. Und dann stehen wir auch schon direkt über dem in die Granitschlucht tosenden Oranje. Allein schon die Tiefe der eingeschnittenen Schlucht ist beeindruckend. Hier leben viele Eidechsen auf dem Fels, sehr bunte Männchen und unscheinbar braungraue Weibchen. Anschließend begeben wir uns auf den ca. 5 km langen Dassie-Trail. Er führt uns vorbei an einer vielfältigen Vegetation, durch sehr trockene und karge Areale und zu aufregenden, geologischen Sehenswürdigkeiten. Hier spielt vor allem die Erosion eine große Rolle, wie Exfoliationen und Pottholes zeigen. Braided Rivers weise auf geologische Hebungstendenzen hin, und die geologische Vergangenheit ist in Felsformationen gleichsam konserviert. Das ganze Gebiet der Augrabies besteht aus Gneis, der aus Granit hervorgegangen ist. In einiger Entfernung ist ein ca. 8 km langer Intrusions-Dyke erkennbar, bestehend aus dunklem Dolerit. Dieser kann der Erosion länger widerstehen als das umgebende Gestein, so dass er als erhabene Struktur das Gelände überragt. An einen kleinen Wasserlauf wollen wir rasten und unsere mitgebrachten Sandwiches essen. Aber als wir es uns gerade gemütlich machen, und die Füße ins kühle Wasser baumeln lassen, tauchen auf dem Felsen in einiger Entfernung Baboons auf. Zwar scheinen sie in erster Linie mit sich selbst beschäftigt zu sein und Nachwuchs haben zu wollen, dennoch packen wir unser Essen weg, um sie nicht unnötig anzulocken. Bald darauf gehen wir weiter, um gegen Ende des Dassie-Trails an dem Revier eben jener Tiere vorbeizukommen. Nur einmal sehe ich direkt neben mir an einem Felsen ein rundliches, pelziges Tier vorbeiflitzen. Ansonsten halten sich die Dassies leider versteckt. Erkennbar ist ihr Anwesenheit nur durch Kot und durch weißliche Urinspuren unterhalb ihres Aussichtsfelsens. Zurück vom Trail beeilen wir uns in den Swimmingpool zu springen. Nach der Hitze tut Abkühlung dringend Not. Mit der Ausbeute von zwei aufgesammelten Steinen (Tigerauge und Wüstenlack) geht's zurück zu unseren Zelten im Kalahari Adventure Centre. Gerade als wir uns entschließen in der nächsten Zeit mal mit dem Kochen anzufangen, fragt uns Andrew, einer von der Belegschaft des Backpackers, ob wir nicht Lust hätten mit ihm noch ne Stunde im Nationalpark herumzufahren. Dies lassen wir uns nicht zweimal sagen, und 10 Minuten später sitzen wir auf der Pritsche eines Toyota Pickup und düsen zum Wasserfall. Im Lichte der Abenddämmerung sieht das Gebiet wundervoll aus. Während wir den zu Tal tosenden Wassermassen zusehen, nimmt am Horizont langsam ein vielversprechendes Wetterleuchten immer mehr an Stärke zu. Zu Fuß laufen wir zu einem Aussichtspunkt, der uns einen wunderschönen Blick über die Schlucht der Augrabies Falls gibt. Die Dämmerung schreitet sehr schnell voran, und als wir zum Auto zurück laufen, ist es bereits fast dunkel. Gespenstisch ist allein das Wetterleuchten, das an Intensität weiter zunimmt. Zurück geht es wieder auf der Pritsche. Andrew lässt noch zwei schwarze Mitfahrer aufspringen. Einer von ihnen ist Ranger im Nationalpark. Da die beiden nur wenig Englisch sprechen und wir leider kein Afrikaans, gestaltet sich die Unterhaltung etwas schwierig. Aber auch so stellt sich ein richtig gutes Afrika-Feeling ein. Nachdem uns unsere Mitfahrer verlassen haben, fährt Andrew zu unserem Erstaunen nicht zurück zum Backpackers, sondern weit raus in die Ebene. Hier haben wir einen unbeschreiblichen Blick auf mindestens 3 Gewitter um uns herum, die wir allerdings noch immer nicht hören können. Manchmal ist der Himmel sekundenlang von Blitzen erhellt, die sich vom einen Gewitter bis zum andern durch die Wolken fressen. Und all dies in völliger Stille! Plötzlich kommt ein kräftiger, kühler Wind auf, der wohl direkt aus einer der Gewitterwolken als Fallwind stammt. Es riecht nach Regen - ich könnte schreien vor Glück. Ein erster, ferner Donner wird hörbar. Zu unserer eigenen Sicherheit verlassen wir unseren Aussichtsplatz oben auf der Pritsche und setzen uns zu Andrew ins Führerhaus. Auf dem Rückweg fallen dicke Regentropfen auf die Windschutzscheibe. Wieder lässt Andrew jemanden aufsteigen, um ihn wenigstens einige Kilometer von dem heranziehenden Gewitter weg zu bringen. Auf dem Camping kochen wir uns "Scheiß mit Reis" und Eiern. Den späteren Abend verbringen wir entspannt vor der Glotze, und sehen dem Gouverneur von Kalifornien in seinem ersten berühmten Film "Terminator" zu.

Sonntag, 23.11.2003
Namibia, erster Versuch

Um 5 Uhr reißt mich der Wecker aus dem Schlaf. Packen und Frühstück nehmen die Zeit bis 6:30 Uhr ein, dann machen wir uns auf den Weg. Nach 25 km, kurz hinter der Abzweigung nach Kakamas stelle ich mit großem Schrecken fest, dass das Thermometer des Kühlers im roten Bereich steht. Sofort halte ich am Straßenrand an und stelle den Motor ab. Etwas Dampf und Qualm kommt unter der Motorhaube hervor. Schnell lasse ich Sibylle und Thomas aussteigen, dann öffne ich die Motorhaube. Hauptsächlich ist Qualm sichtbar, der im Bereich der Zündkerzen dem Motorblock entweicht. Der Kühler ist komplett kalt! Nachdem die Temperatur etwas gefallen ist, stellen wir beunruhigt fest, dass überhaupt kein Kühlwasser mehr vorhanden ist. Ich frage mich, wie lange wir schon mit zu hoher Motortemperatur unterwegs waren, und wie es wohl der Zylinderkopfdichtung geht. Ich habe absolut keine Lust auf einer namibianischen Schotterpiste mit Motorschaden liegen zu bleiben. Nach dem einige ratlose Minuten vergangen sind, ruft Sibylle Andrew per Handy an. Zum Glück erreicht sie ihn gleich, und er verspricht so bald wie möglich zu kommen. Während der sich anschließenden Wartezeit hält ein Polizeifahrzeug an. Nachdem wir dem Sheriff erklärt haben was passiert ist, und das bereits Hilfe unterwegs ist, fährt er weiter. Thomas wird zunehmend unruhig, er misstraut Andrew aus unerfindlichen Gründen. Schließlich ist Andrew da, wir füllen Wasser auf und er versucht rauszufinden, wo wir ein Leck im Kühler haben. Irgendwo muss es ja sein. Nachdem wir aber nichts auffälliges finden, und keine sichtbaren Wassermengen verlieren, fahren wir hinter ihm her nach Kakamas. Wir füllen Borrie, ein sehr feines Gewürz das in Wasser nicht aufquillt, ins Kühlwasser. Das ist hier ein wohlbekannter Trick, um feiner Haarrisse oder Löcher im Kühlsystem zu stopfen. Danach fahren wir weiter hinter Andrew her in ein normalerweise nicht zugängliches Gelände am Oranje. Hier springen wir erst mal ins Wasser. Ich beginne die ganze Misere mit dem Auto zu vergessen. In der Sonne liegend, durchwühle ich das Ufer nach Steinen, und fördere einen kleinen Achat und ein schönes Tigerauge zu Tage. Auf dem Weg zur nächsten Straße kommen wir an einem großen Haufen Rosenquarz vorbei, der einfach so in der Landschaft herum liegt. Der Abbau dieses Minerals liegt ca. 30 km entfernt. Die Steine werden hauptsächlich nach Japan exportiert. Wir stellen unser Auto auf dem Weingut Vergelegen im Schatten ab und fahren mit Andrew im Jeep mit Tempo 100 über eine mehr oder weniger gute Schotterpiste zu einer sehr abgelegenen Ortschaft. Erstaunlicher Weise gibt es aber selbst hier so was wie einen Tante-Emma-Laden. Zumindest wenn man weiß in welches Haus man gehen muss. Diese Ortschaft hat das große Problem, dass selbst mehrere Bohrungen kein Trinkwasser angetroffen haben, obwohl der Ort im Bett eines ehemaligen Flusslaufes, vielleicht das Oranje, liegt. In diesem Ort kauft Andrew 2 Flaschen mit kalten Getränken, aber schon beim ersten Buckel auf dem Weg explodiert die Cola-Flasche mit einem lauten Knall. Thomas hat sie versehentlich irgendwo gegen geschlagen. Danach erreichen wir über eine abenteuerliche, nur mit wirklich guten Allradfahrzeugen machbare, Straße die warme, fast heiße Quelle "Warmbad". Viel Wasser kommt nicht, aber nach einer Stunde ist das betonierte Becken voll genug, dass wir uns zu dritt ins heiße Wasser legen können. Und das in einer Schlucht, um die Mittagszeit, im südafrikanischen Sommer! Es ist super! Etwas weiter unterhalb in der Schlucht gibt es noch einen weiteren, kalten Tümpel, den wir zur Abkühlung aufsuchen. Am spätern Nachmittag sind wir zurück im Kalahari Adventure Centre. Unser Abenteuer hatten wir heute wirklich! Den restlichen Tag verbringen wir faul herumliegend, am Abend wird noch ein bisschen auf zwei Djembes getrommelt. Dann warten wir gespannt, was der nächste Tag bringen wird.



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